Posts mit dem Label fetzen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label fetzen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 11. September 2010

Fetzen #9

"Ich wischte mir mit den Ärmel des Mantels über meinen Mund. Was für eine irre Nacht.
Ich wollte schleunigst aus dem Wald herauß. Ich folgte einen kleinen Trampelpfad und kämpfte mich mühsam durch Hecken und Gestrüb. Meine Hände waren schon zerkratzt.
Es war still im Wald. Man hört nur die Vögel zwitschern und das Rauschen des Windes im Blattwerk.
Ich begenete keiner Menschenseele. Der Weg schien mir endlos zu sein. Ich musst an "Hänsel und Gretel" denken, daran wie sie ebenfalls im Wald herum irrten.
Ich gelangte auf einen befestigteren Weg für Spaziergänger und war heilfroh als ich in der Ferne Autos auf einem Parkplatz stehen sah.
Ein Jogger kam mir entgegen und warf mir einen irritierenden Blick zu. Beinahe wirkte er geschockt. Ich blickte an mir herab, meine Kleider waren total verdreckt."

to be continued...

Samstag, 21. August 2010

Fetzen #8

"Ich öffnete die Augen. Ich stand im Wald. Allein. Ich hatte einen wiederliche Geschmack im Mund. Es schmeckt alt, hässlich und rau. Kam das von dem Drink, den ich bei Mark getrunken hatte?
Ich blinzelte ein paar Mal. Die Sonne blendete mich. Nein, das im Club war nicht das letzte woran ich mich erinnern konnte.
Seit dem Getränke bei Mark wurde es schwarz in meiner Erinnerung. Als hätte man die letzten Stunden meines Lebens einfach so gelöscht und jetzt waren nur noch Erinnerungsfetzen davon übrig geblieben.
Mein Mantel war schmutzig. Ich drehte mich ein paar mal. Ich war allein. Mir wurde übel.
Was war nur in diesem Getränk gewesen?
Ich musst mich hin knien und stütze mich auf dem feuchten Waldboden ab. Mir war so verdammt schlecht. Ich konnte mich nicht daran erinnern wann ich das letzte Mal etwas gegessen hatte. Es könnte Tag her gewesen sein.
Alles drehte sich und ich hatte große Mühe meinen Mageninhalt nicht quer über den Waldboden zu verteilen.
Ich versuchte mich zu erinnern. Alles was ich wollte, war zu erfahren wie ich hier her gekommen war.
Ich versuchte mich zu konzentrieren.
Mit zugekniffenen Augen konnte ich mich noch daran erinnern, dass ich in Marks Wohnzimmer das Glas zurück auf den Tisch stehlte. Einer von Marks Gästen fragte mich schockiert, ob ich aus dem Glas getrunken hätte.
Ich erbrach mich auf den Waldboden."

to be continued

Mittwoch, 28. Juli 2010

Fetzen #7

Für T. Lunes

"Ich zog den Rauch meiner Zigarette ein. Schon längst hatte ich den Überblick verloren, wie viel ich rauchte und wann und wieso ich damit angefangen hatte. Nur das eine wusste ich: Es lag nicht am Gruppenzwang. Ich wollte nie zu den Leuten gehören, die am Ende des Pausenhofes heimlich hinter den Rücken ihrer Freunde eine pafften. Nein, ich fand es hatte Stil, so wie in den alten schwarz-weiß Hollywood-Schinken in denen alles und jeder rauchte.
"Kann ich auch eine haben?" Mein Banknachbar Mark war anscheinend wieder von den Toten zurück gekehrt. Zumindest konnte er klar verständliche Sätze formulieren. Ich hielt ihm die Schachtel hin. Er schien verwirrt über die Nässe zu sein. "Man kann sie trotzdem rauchen." Ich drehte mich um und lächelte ihn an. Wie lange war es nun schon her, dass wir gemeinsam die Schulbank gedrückt hatten? Wir waren damals noch Kinder.
Ich zündete ihm sie vorsichtshalbar an. Dankbar nahm er sie mir ab und zog dran, ehe er sich wieder zurück auf die Couch fallen ließ. "Das ist das wahre Leben!" Mark hielt die Kippe nach oben und fuchtelte herum. "Ja," Sagte ich. "Warum kann nicht immer Wochenende sein?" Doch schon war er nicht mehr ansprechbar. Seelig schlummernd lag er da. Ich fischte ihm die Zigarette aus den Fingern und drückte sie auf dem Tisch aus.
Ein mir unbekannter Junge rieß eine von Marcs Gitarren von der Wand. Auf dem Plattenspieler wurde eine neue Platte aufgelegt. Irgendeine alte Punk Band, die Heute niemand mehr kannte. Oder zumindest nur noch wahre Kenner.
Die Party war im vollen Gange. Ich nahm eins der Glässer, die vor mir auf dem klebrigen Tisch standen, und schnupperte dran. Es roch trinkbar. Undefinierbar, aber trinkbar. Ich kippte es hinunter."

To be continued...

Samstag, 3. Juli 2010

Fetzen #6

"Der Regen praselte auf mich herab. Es war ein wahrer Wolkenbruch und ich versuchte erst gar nicht mich irgendwo unterzustellen. Nein, ich blieb einfach vor dem Eingang des Clubs stehen und starrte auf den Boden. Meine langen Haare hingen in nassen Strähnen an mir herab. Mein schwarzes Kleid sog sich voll mit Wasser und wurde ganz schwer. Selbst in meine Schuhe drang der Regen. Mir war das egal.
Mich kümmerten auch nicht die Blicke der Passanten die eilig vorbei huschten oder die der anderen Clubbesucher. Ich blieb stehen im Regen und genoß jede einzelne Sekunde.
Ich hob meine Hände nach oben und lächelte. Das war der beste Moment seit langem. Vergessen war das beklommene Gefühl, dass ich verspührte als ich zwischen all diesen feiernden Menschen stand. So fehl am Platz.
Der Regen liess nach, hörte aber nicht ganz auf. Ich wandt meine Haare aus und macht mich auf den Weg den meine Füße schon automatisch kannten, da ich ihn immer nach einem Abend wie diesen einschlug.
Die Stadt in der ich lebte war weder besonders groß, noch besonders klein und an diesem Abend herrschte ein reger Straßenverkehr.
Ein Auto das zu nah am Gehweg fuhr, besudelte mich von oben bis unten nochmals zusätzlich mit Wasser. Das Geräusch des herabfallenden Regens und der vorbei fahrenden Autos trug mich immer weiter und weiter vorbei an einer Tankstelle und einem geschlossenen Tante-Emma-Laden bis ich vor dem Mehr-Familienhaus aus den 60ern stehen blieb, das mein Ziel wahr.
Noch einmal versuchte ich meine Haare aus zuwenden und blickte an mir herab. Schlapp und schmutzig hing mein Kleid an mir und ich war durch geweicht bis auf die Knochen.
Ich zögerte kurz bevor ich die Klingel betätigte. Ein Blick auf das zweite Stochwerk verriet mir, dass da oben noch Licht brannte und mit etwas Phantasie konnte ich die Musik hören.
Dreimal musste ich klingeln bis sich die Tür öffnete und ich ins Treppenhaus eintratt. Es war dunkel und ohne den Lichtschalter zu betätigen erklom ich die Treppe hinauf in den zweiten Stock.
Ich war nicht dafür bekannt besonders gesprächig zu sein, meistens war ich einfach da. Ich gehörte einfach dazu. Man kannte mich und ich kannte die anderen.
Als ich vor der Tür stand bemerkte ich sofort die große Anzahl an Schuhen die um die Fußmatte verteilt waren. Chucks, Vans, High Heels und Ballerinas.
Ich schlüpfte aus meinen schwarzen Ballerinas, die inzwischen völlig durch geweicht waren, und stellte sie zu den anderen.
Ich musste noch ein paar mal Klopfen bis mir auch hier die Türe geöffnet wurde.
Ein Junge lächelte mich mit breitem Grinsen an. Vermutlich völlig dicht oder breit, wenn nicht sogar beides.
Die Bude war voll, so weit ich das vom Flur aus beurteilen konnte. Es war verraucht und laut. Aber angenehmer als im Club. Ich atmete das alle ein, denn das war mein Leben.
Wir waren jung, wir waren anfang zwanzig. Verdammt nochmal, wir mussten einfach Party machen. Es war unsere verdammte Pflicht. Wir konnten nicht anders als zu trinken, zu rauchen und Spaß zu haben. Vielleicht ist das ja klischeehaft, aber wir lebten jetzt und würden wir unser Überlebenselexier am Wochenende verpassen, würden wir es spätestens mit mitte 30 vermissen und bereuen, nie ein Teil davon gewesen zu sein.
Hingen im Flur noch die typischen Jamaika-Flaggen mit Hanf-Motiv, so war das Wohnzimmer zumindest ein Hauch stillvoller eingerichtete. Ich lächelte einem kleinen Ian Curtis Poster zu, dass an der Wand in einer Reihe mit Fotos anderer toter Berühmtheiten hing. Bekannte Gesichter nickten mir zu, zwei Mädchen sprangen auf und ab und verschütteten so ihren ganzen roten Wodka auf dem Teppich.
Der Couchtisch war verklebt, vermutlich von der Cola, die man hier mit allem mischte. Jack Daniels, Wodka, Jägermeiser, das war egal.
Der Gastgeber, mein ehemaliger Banknachbar aus der Schule, lag wie tot auf dem Sofa.
Ich setzte mich dazu, fingerte aus meiner ebenfalls klatschnassen Tasche eine Schachtel Zigaretten hervor, die zwar etwas feucht waren, und steckte mir eine davon an."

to be continued...



Keine Geschichte kann ohne Musik entstehen. Der Soundtrack zu Fetzen besteht größtenteils aus Brand New und Joy Divison.

Donnerstag, 3. Juni 2010

Fetzen #5

"Ich stand da und blickte auf das zersplitterte Glas. Lächelnd blickte ich wieder auf, die Person war weg. Außer Sichtweite. Ich bewegte mich weg von der Tanzfläche. Mir dröhnte der Schädel. Ich hatte das Gefühl als würde mein Hirn in Millionen Einzelteile zerspringen.
Als was ich wollte, war für eine kurzen Moment die Zeit anzuhalten um nur kurz, ganz kurz die Stille zu genießen. Ich lehnte mich an die Wand und sah den Tanzenden zu. Was waren doch das alles für Selbstdarsteller. Heuchler!
Wir versteckten uns doch nur hinter einer Fassade kluger und ach so cooler Sprüche. Ich Wirklichkeit waren wir doch nur dumme, kleine, verunsicherte Kinder und hatten keine blasse Ahnung davon was wir mit unseren arglos daher gesagten Worten anrichten konnten.
Obwohl in diesem Schuppe eine Affenhitze herrschte begann ich schrecklich zu frieren.
Jeder um mich herum schwitzte und manchmal hatte ich hier drin das Gefühl, dass der Schweiß von der Decke tropen würde.
Ohne mich nochmal umzusehen verschwand ich endgültig von der Tanzfläche. Ich musste rauß. Nur rauß! Mein einziger Gedanke.
Ich schob mich durch eine Masse eng aneinander gedrängter lachender und betrunkener Menschen. Im schummrigen Licht erkannte ich in ihren Gesichtern bösartige Fratzen und ihre Gesprächsfetzen verschmolzen mit den bebenden Bässen zu einem unverständlichen Kauderwellsch.
Ich versuchte eine aufkeimende Panikattacke zu unterdrücken und stürmte die Treppen hinauf.
Nur rauß, nur rauß, nur rauß!
Ich stand draußen vor dem Club. Atmend. Ich schloss die Augen. Alles drehte sich. Es regnete."

To be continued...

Donnerstag, 29. April 2010

Fetzen #4

"Es war nicht so, dass ich unglücklich war über mein Leben. Nein, eher gelangweilt. Diese sich ständig wiederholenden Wiederholungen.
Ich arbeitete in einem Büro. Ich war dafür zuständig tagtäglich die gleichen Daten in einen Computer zu hauen.
Mir bedeutete der Job schon lang nichts mehr. Vielleicht hatte ich zu Anfangs noch Freude empfunden, mittlerweile war ich jedoch nur noch abgestumpft und tat das was nötig war.
Der DJ spielte einen weitern, lauten Elektro Song. Ich wurde angerempelt, mein Glas stürzte zu Boden und zerbrach. Meine Schuhe waren nass vom Gin Tonic.
Die Person, die mich angerempelte hatte, drehte sich noch mal kurz um, grinste debil und zuckte mit den Schultern. Ich lächelte zurück."


to be continued

"Fetzen" ist so eine Art Fortsetzungs-Roman. Den ersten Teil krizelte ich einst belanglos auf meinen Block, anstatt Mathe zu lernen. 
Ich habe keinen Ahnung um was es bei "Fetzen" geht, noch weiß ich wie es enden wird. 
Alles ist frei erfunden und kommt direkt aus meinen kleinen, grauen Gehirnzellen.

Sonntag, 4. April 2010

Fetzen #3

"Das letzte woran ich mich noch klar erinnern konnte, war das ich im Club war.
Aus den Boxen dröhnte ohrenbetäubende Bässe, die die Schreie und Gespräche der Gäste zu unterdrücken versuchten.
Wer sich hier nicht mit Alkohol betäubte, hielt es nicht lange durch.
Man stand dicht gedrengt aneinander und zappelte im Ryhtmus der Musik immer mit einem Drink in der Hand.
Der Boden war übersätt von zerbrochenen Glässern und klebrig von den Cocktails. Mir macht das nicht aus. Ich tanzte weiter. Ich tanzte auf den Glasscherben, die mich so sehr an die zerbrochenen Träume all derjenigen erinnerten die hier tanzten und getanzt haben.
Mit 25 ist die Jugend vorbei, schoss es mir wie ein Blitz durch den Kopf.
Ich tastete nach meiner Zigarrettenschachtel und steckte mir eine an.
Diese ständige monotonie."

Freitag, 2. April 2010

Fetzen #2

"Ich stand im Wald. Auf dem Boden lagen noch braune, zerbröselte Blätter vom letzten Herbst, die der Wind langsam aufwirbelte. Trotz der Sonne fröstelte ich und zog den Mantel enger zusammen. Mein schwarzer Mantel war dreckig und staubig. Ich blinzelte ein paar mal. Erst jetzt begann ich zu realisieren wie sehr die Sonne überhaupt blendete.
Was ich hier überhaupt machte, fragte ich mich auch."

Fetzen...

"Ich hatte einen wiederlichen Geschmack im Mund. Es schmeckt alt, hässlich und rau.
Ich stellte mir vor, so müsste es schmecken, wenn man die abgestandene Luft in denen Wohnungen alter, verwahrloster Männer in Scheiben schneiden und essen könnte.
Ich fröstelte und blickte nach vorne. Obwohl es ein strahlender schöner Frühlingsmorgen war, kam es mir wie eine finstere, kalte Nacht vor.
Ich war allein."

to be continued