Eigentlich hatte ich ja kaum noch Lust aufs Konzert zu gehen. Alleine, bei gefühlten zwei Meter Schnee, ins mir fast unbekannte Nürnberg, bei Nacht mit den Öffentlichen zu fahren, klang nicht sonderlich verlockend. Was aber verlockend klang, war die Aussicht meine momentane Lieblingsband, die "Blood Red Shoes", endlich live zu sehen.
Zugegeben, es war schon verdammt gruselig allein von der S-Bahn Station zum Hirsch zu laufen. Noch dazu war auf der Straße, die durch ein Industriegebiet führt, kaum was los. Hinter jeder Einfahrt und in jedem stehenden LKW vermutete ich einen irren Axtmörder. Für den Ernstfall war ich mit einer Dose Haarspray (billige Alternative zu Pfefferspray) bewaffnet.
Einlass war um 19 Uhr, von den Bands war natürlich noch nichts zu sehen, also mischte ich mich unters Publikum, das aus Emos, Chucks-Trägern und Indie-Kids bestand - Ich fühlte mich gleich gut aufgehoben.
Während ich so dastand und vor mich hin sinniert, was Laura-Mary Carter (Gitarre/Gesang) wohl für Klamotten tragen wird(Ich bin ein großer Fan ihres Styles), lief plötzlich ein blonder Typ mit Karo-Hemd an mir vorbei und blieb für einen kurzen Moment neben mir stehen. Das Herz rutschte mir in die Hose. Der Typ war Steven Ansell, seines Zeichens Schlagzeuger und Sänger der "Blood Red Shoes"! Ich wollte noch was geistreiches sagen, da schlurfte er schon weiter in Richtung Backstage. Wow.
| Wallace Vanborn |
Um zwanzig vor zehn verdunkelte es sich auf der Bühe und künstlicher Nebel begann ins Publikum zu wabbern. Der Moment auf dem alle im Saal anwesende gewartet hatten, war gekommen: die "Blood Red Shoes" betratten die Bühne.
Der erste Song war schon der reinste Kracher: "It´s getting boring by the sea"! Hinter mir wurde gepogt und vor mir gerockt (Ich stand in der ersten Reihe). Fantastisches Gefühl!
Laura-Mary Carter, gekleidet in einer zerfetzten, kurzen Jeans, schwarzen Shirt und schwarzer Jacke, blickte etwas miesepetrig drein, ab und zu huschte ihr aber ein Lächeln übers Gesicht. Zweimal wechselte sie ihre Telecaster. Steven Ansell, der ein "Led Zeppelin" Shirt trug, verausgabte sich beinahe an den Drums und zog immer wieder sein Micro in die richtige Position. Coole Hunde, sind sie beide - auch in Getränkefragen: Laura-Mary nippte an einem Glas Rotwein und Steven genehmigte sich ein Bier.
Das Publikum war weniger cool, immer wieder unterbrachen "Blood Red... Shoes"-Gerufe die Ansagen der Engländer, die nach dem fünften mal sichtlich genervt waren.
Zu Songs, die ich auf den Alben eher als ruhiger empfand, wurde richtig los gerockt und abgespackt. Klasse, das hat mich sehr beeindruckt. Den Ruf als gute Live-Band haben die zwei Briten zu recht.
Die Set-List bekomme ich beim besten Willen nicht mehr in der richtigen Reihenfolge zusammen, es waren einfach zu viele Lieder. Leider wurde "ADHD" nicht gespielt, dafür gabs als Zugabe "One more empty chair" und das geniale "Colours fade" mit ewiglangem Outro.
Toller Abend, klasse Band - Ich hoffe, dass das am Dienstag im Hirsch nicht mein letztes "Blood Red Shoes" Konzert war.
Nach der Show ging es für mich mit der Bimmelbahn quer durch die fränkische Provinz, mit nassen Schuhen (Ich zähle mich zu den Chucks-Trägern) wieder nach Hause um am nächsten Morgen mit Nackenschmerzen und übermüdet in der Vorlesung zu sitzen.
Sehr coole Sache =) Aber die Vorlesung hätte ich mir geschenkt xD
AntwortenLöschenvoll toll und so :) wär gern dabei gewesen. du schaffst es immer wieder in die erste reihe^^ schöne fotos!
AntwortenLöschenDes nächste mal kommst du mit! Das ist ein Befehl! ;)
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